Digital & Bildung

Fluch oder Segen. Unter diesem Motto diskutierte der Liberale Stammtisch in der Trattoria Goffredo im Beisein der FDP-Bundestagskandidatin Gudrun Wilhelm das aktuelle Thema Digitalisierung. Wilhelm hält die bundesdeutsche Gesellschaft für die digitale Zukunft „denkbar schlecht gerüstet". Für den Fall einer Beteiligung an der Bundesregierung fordert die FDP deshalb ein Digitalministerium.

 

Schwäbisch Gmünd(pm). Der Bund habe mit den Ländern ein Programm zur Schulsanierung vereinbart, mit dem der „teils miserable“ Zustand der Schulgebäude behoben und eine „Digitalisierung“ bundesweit erfolgen soll. Bisher hatte das sogenannte Kooperationsverbot  Finanzhilfen des Bundes im Bildungsbereich verhindert. Diesem „grundsätzlich richtigen und überfälligen“ Ansatz stünden jedoch zwei strukturelle Mängel entgegen, die sich mit Geld nicht beheben ließen. Der Föderalismus im Bildungsbereich lasse auf eine einheitliche Strategie bei digitalen Medien nicht hoffen, da die eifersüchtigen Bundesländer nicht einmal ein einheitliches Abitur zustandebringen würden. 

Hauptproblem der Verwendung digitaler Medien im Unterricht sei jedoch die mangelhafte Lehrerausbildung. Oft hätten Kinder im Vorschulalter heute größere Fertigkeiten bei den neuen Geräten als altgediente Lehrkräfte. Zum einen hätten die Kultusministerien die Medien in der Lehrerbildung „lange verschlafen“. Zum anderen ist das meiste nach fünf Jahren Lehrerstudium schon wieder überholt. Es werde leider auch übersehen, dass die Dauernutzung vorwiegend von internetfähigen Smartphones unabhängig vom Unterrichtseinsatz zu einer Verhaltensänderung in allen Schulfächern führt. Ausdauerspanne und Konzentration nähmen ab, Faktenlernen würde von den Schülern für überflüssig gehalten. Diesen Trend könne man auch „nicht wegpredigen“, sondern müsse sich pädagogisch darauf dauerhaft einrichten.

Der Gmünder OB Richard Arnold wird darin unterstützt, den Kommunen Mitspracherechte in den  Asylverfahren zu geben. Abschiebungen von abgelehnten Asylbewerbern, die sich in einer Ausbildung befinden, konterkarierten den „Gmünder Weg“, für den man den Gmünder OB gestern noch gelobt habe. Das strikte Arbeitsverbot für Asylbewerber sei bei der großen Zahl offener Stellen besonders im Gastronomie- und Pflegesektor „kontraproduktiv“. Gudrun Wilhelm erinnerte an eine „sehr alte FDP-Forderung“ auf ein Einwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild. Nicht nur der Fachkräftemangel, sondern vor allem die demografische Entwicklung lassen die fehlende gesetzliche Regelung inzwischen überfällig erscheinen.

Die Bundestagskandidatin macht sich für zwei große Verkehrsprojekte in ihrem Wahlkreis Backnang-Schwäbisch Gmünd stark. Einerseits geht es um eine Nordostumfahrung von Stuttgart als B 29 Verbindung Waiblingen/Fellbach - Ludwigsburg/Kornwestheim . Die Verkehrsentlastung für Stuttgart könnte auch zur Feinstaubverringerung und zur Vermeidung der angekündigten Fahrverbote beitragen. Im Osten geht es um den vierstreifigen Ausbau der B 29 bis zur bayerischen Grenze. Immerhin stehe das Nadelöhr Mögglingen nach „jahrzehntelangem Kampf“ vor dem realen Durchbruch.