In der Fremde Wurzeln schlagen

Interkultureller Garten Aalen zu Gast bei Dr. Julia Frank

 

FDP-Landtagskandidatin Dr. Julia Frank hatte Mitglieder des Interkulturellen Gartens Aalen mit ihren Mentoren, dem Ehepaar Class, anlässlich des Weltfrauentages in die Gaststätte „Echo“ nach Lorch eingeladen. Unterstützt wurde die Veranstaltung von den Liberalen Frauen Baden-Württemberg. Interkulturelle Gärten sind eine deutschlandweite Bewegung, in denen Menschen verschiedener kultureller und religiöser Herkunft zusammenkommen und über Anbau und Pflege „ihres“ Beetes in einem gemeinsamem Garten Zugehörigkeit erleben.

 

Für den Aalener Garten heißt das: 18 Familien bewirtschaften jeweils eine eigene Parzelle unterschiedlicher Größe, organisieren Veranstaltungen, planen Projekte und finden so Kontakt zu Einheimischen. Sie füllen auf diese Weise die Idee des Gartens, Vorbehalte abzubauen und den Einzelnen in seiner Fremdheit zu akzeptieren. Der Sinn des Gärtnerns liegt weniger in der Ernte, als vielmehr im sozialen Kontakt, der unmittelbaren Möglichkeit, in der Vielfalt Gemeinsamkeiten zu entdecken und Gemeinschaft zu entwickeln.

 

Zur Einstimmung auf den Film der Regisseurin Ella von der Haide über Gemeinschaftsgärten in Deutschland - München, Hamburg, Oberhausen, Leipzig und Aalen – erzählten die Aalener Darstellerinnen vorab die Geschichte ihrer Migration. Welche Erinnerungen, Wünsche, Erwartungen waren in ihrem „Koffer“? Die größte Barriere zum Erreichen ihrer Ziele stellte die Sprache dar, trotz Sprachkurs waren die Fortschritte entmutigend, so lange der Alltag wenig Möglichkeiten zur Kommunikation in deutscher Sprache bot. Dies änderte sich entscheidend durch die Kontakte im Interkulturellen Garten. Da alle aus unterschiedlichen Sprachräumen kommen, ist ein Ausweichen in die Herkunftssprache dort nicht möglich.

 

Der Erfolg der Anstrengungen zeigte sich an diesem Abend. Beeindruckend für die Zuhörer war der Mut und das Selbstbewusstsein dieser Frauen, in einer fremden Sprache vor einem größeren, unbekannten Publikum zu reden. Der dann folgende Film stellte die Arbeit und das soziale Leben im Garten vor. Die anschließende Diskussion ließ erkennen, welch tiefen Eindruck das Gesehene und Gehörte bei den Anwesenden hinterließ. Diese vielfältigen Einflüsse auf den Umgang mit Gewalt, mit Enttäuschungen, die Vermittlung gemeinsamer Normen, Werte, Symbole, das gegenseitige Helfen und Kennenlernen der anderen Kultur lässt Integration als Nebeneffekt auf beiden Seiten wie selbstverständlich wachsen – so Julia Frank. Kein Wunder, dass sich viele Teilnehmer im Sommer im Garten in Aalen wiedersehen wollen.