Attraktivität des Hausarztberufes hat gelitten

FDP diskutiert über die medizinische Versorgung auf dem Land
FDP diskutiert über die medizinische Versorgung auf dem Land

Das ist eine der größten Herausforderungen der Zukunft. Noch bemerken wir das nicht so dramatisch, aber das wird sich ändern.“ Mit dieser Prognose eröffnete Jochen Haußmann seinen Vortrag zum Thema „Die Herausforderungen der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum“, zu dem FDP-Landtagskandidatin Dr. Julia Frank in den Mögglinger Reichsadler geladen hatte. Sie erinnerte daran, dass im  Ostalbkreis erste Symptome eines Ärztemangels zu beobachten seien; eine Reihe kleinerer Orte sei inzwischen bereits ohne Hausarzt. Angesichts der Altersstruktur der niedergelassenen Hausärzte – das Durchschnittsalter betrage inzwischen 55 Jahre - sei abzusehen, wie sich diese Situation in der nächsten Dekade verschärfen werde.

 

Haußmann, gesundheitspolitischer Sprecher und stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion im Stuttgarter Landtag, verwies auf die derzeit noch günstigen Ausgangsbedingungen. Das Niveau der ärztlichen Versorgung in Deutschland sei im Weltvergleich hervorragend. Im Übrigen habe die von den damaligen Bundesministern Rösler und Bahr durchgesetzte Arzneimittelpreisverordnung dafür gesorgt, dass aus einem Defizit im Gesundheitsfonds von rd. 10 Mrd. Euro ein Überschuss von 25 Mrd. Euro wurde, von dem wir heute noch zehrten. Größtes Sorgenkind im ambulanten Bereich sei in der Tat die hausärztliche Versorgung auf dem Land, wobei der demografische Faktor nur eine von mehreren Ursachen darstelle. Der Beruf des Landarztes -  gerade auch in Gestalt des selbständigen Unternehmers in einer durchregulierten bürokratischen Umgebung - habe stark an Attraktivität verloren. Die hohe zeitliche Arbeitsbelastung mit Wochenend-, Nachtarbeits- und Bereitschaftszeiten spiele hier eine nicht unerhebliche Rolle. Inzwischen finde nur jeder zweite Hausarzt einen Nachfolger. Um den Hausarztberuf speziell auf dem Land wieder attraktiver zu machen, bedürfe es neuer (Praxis-)Konzepte, die diesen negativen Einflussfaktoren entgegenwirkten. Julia Frank ergänzte, dass nicht nur die praxisbezogenen Aspekte berücksichtigt werden müssten. Großen Einfluss auf die Niederlassungsentscheidung habe z. B. auch die Frage, ob vor Ort auch ein Arbeitsplatz für den Partner existiere.

 

Inzwischen gäbe es konkrete Überlegungen, wie man die Ausbildung zum Allgemeinmediziner attraktiver und praxisgerechter gestalten könne. Dazu sollten auch die Zugangsmöglichkeiten erweitert und die bisher ausschlaggebende Bedeutung der Abiturnote abgemildert werden.

 

Der Ärztemangel sei jedoch nicht nur auf den Bereich des niedergelassenen Hausarztes auf dem Land beschränkt, er habe auch den Fachärztebereich außerhalb der Ballungsräume und in den Kliniken erfasst.  Viele meist junge Ärzte wanderten aus oder arbeiteten im nicht-kurativen Bereich, z. B. in der Pharmaindustrie. Laut Bundesärztekammer seien rund 16 000 Ärzte im Zeitraum zwischen 2001 und 2008 ausgewandert, der Saldo der Zu- und Abwanderungen sei stark negativ. Darunter leiden auch die Kliniken.

 

Die stationäre Versorgung sei aber wesentlich durch den starken Bettenabbau der vergangenen Jahre gekennzeichnet, der auch zur Schließung vieler Krankenhäuser geführt habe. Gerade bei den Investitionsmitteln, die von den Ländern aufzubringen seien,. gäbe es seit Jahren eine Unterversorgung, die auch durch das vorgesehene Krankenhausstrukturgesetz nicht beseitigt werde. Ob dieses Gesetz sein ausdrückliches Ziel, eine Qualitätssteigerung in der stationären Versorgung, erreichen werde, sei mehr als fraglich. „Neben der Verkehrsinfrastruktur und dem Breitbandausbau ist  die Sicherung der ärztlichen Versorgung das wesentliche Kriterium für den Erhalt der Attraktivität unserer Region“ stellte abschließend Dr. Julia Frank fest.