Teure Röhre mit Geburtsfehlern

 

Teure Röhre mit Geburtsfehlern

 

Liberaler Stammtisch diskutiert über die Verkehrsentwicklung nach Eröffnung des Einhorntunnels

 

 

 

Schwäbisch Gmünd(pm). Der Liberale Stammtisch diskutierte bei seinem letzten Zusammentreffen im Schwerpunkt die Verkehrssituation im Gmünder Raum. Zwei Jahre nach der Eröffnung des über 230 Millionen teuren Einhorntunnels laute eine erste Bilanz, dass eine spürbare Entlastung des innerstädtischen Durchgangsverkehrs vor allem in der Remsstraße festzustellen sei. Negativ machten sich allerdings die zwei kaum behebbaren Geburtsfehler des Tunnels bemerkbar.

 

Der eine Fehler sei die fehlende direkte Einbindung der B 298 von Mutlangen Richtung Stuttgart. Die Empfehlung von Mutlangen in die Weststadt über den Tunnel zu führen, sei weltfremd, da der Verkehr wie Wasser immer den direkten Weg suche. Hinzu käme aber, dass der B298-Verkehrsfluss von Mutlangen in die Remsstraße durch den Pfitzerkreisel eher gebremst werde und zu täglichen Staus in den Stoßzeiten führe. Altstadtrat Klaus Menzel bedauerte, dass in Richtung Westen kein Bypass angelegt wurde, obwohl dazu ausreichend Platz vorhanden sei. Mit dem ursprünglichen grünen Pfeil wäre dort eine „optimale“ Einfädelung trotz Ampel möglich gewesen, da die obere Remsstraße nach Westen zweispurig angelegt ist. Dieser Straßenteil gehöre nicht mehr zur B 298 und könne in der Obhut der Stadt – wenn gewollt- verändert werden.

 

Der zweite nachhaltige Geburtsfehler des Gmünder Tunnels sei der nur zweibahnige relativ unfallanfällige Begegnungsverkehr. Ein Unfall führe regelmäßig zu Totalsperrungen und dann zu Verkehrsinfarkten an den Zufahrten, die sich schnell zu einem Verkehrskollaps in der Stadt ausbreiten. Abhilfe wäre nur durch eine Fahrbahntrennung erreichbar wie sie in den Alpentunneln in Österreich und der Schweiz anzufinden seien. Günther Herb, der als Experte lange im Stuttgarter RP tätig war, erklärte dazu, dass es in Deutschland keinen Tunnel gäbe, in dem die Gegenfahrbahnen wie in Autobahnbaustellen durch mobile Betonelemente getrennt würden. Grund dafür sei der erschwerte Rettungszugang bei Unfällen. Da der Tunnel in Gmünd aber einen eigenen Rettungsstollen zu bieten habe, solle man diese Variante prüfen.

 

Als „sehr unbefriedigend“ stelle sich die aktuelle Verkehrslage auf dem Gmünder Boulevard dar. Insbesondere die einseitige Anbindung des Taubentals sorge bei Anwohnern und Besuchern für Unmut. Die vielen Übergänge auf dem Boulevard sorgten für ständige Stausituationen, die noch durch die Busampel  auf beiden Spuren verstärkt würden. Es wäre wohl sinnvoller gewesen, die Busse Richtung Osten über den Remskreisel abfließen zu lassen. Dazu müssen man die Fahrtrichtungen im ZOB nur umdrehen. Die Bahnsteigsunterführung habe sich trotz gelegentlicher Seenbildung bewährt. Sobald es der Schuldenstand einmal erlaube, könnte man die Unterführung unter den Boulevard bis zur anderen Straßenseite verlängern.

 

Volkswirtschaftlich könne der Gmünder Tunnel seine volle Wirkung nur entfalten, wenn die B 29 anforderungsgerecht bis zur A 7 ausgebaut sei. Bei der Umgehung Mögglingen habe man nicht den Eindruck, dass man hier mit voller Kraft am Werke sei. In Mögglingen gehe das Gerücht um, dass die Planungskapazitäten im Regierungspräsidium nicht ausreichend seien, um den vorgesehenen Fertigstellungstermin einzuhalten. Die FDP-Landtagskandidatin Dr. Julia Frank versprach, dieses Thema über den verkehrspolitischen Sprecher der FDP-Fraktion, Jochen Hausmann, zu klären.